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Hildegard von Bingen – ein Leben im Zeichen der Kirche und der Menschheit
Wussten Sie schon, …. …
dass Hildegard von Bingen die erste Frau war, die vom Papst autorisiert wurde, ihr Wissen niederzuschreiben und zu verbreiten?
… dass Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert ein Kloster erbaute, das fließendes Wasser in allen Arbeitsräumen bot?
… dass Hildegard von Bingen bereits die Idee des ganzheitlichen Menschen vertrat – sozusagen die Zusammenführung von Psychologie und Schulmedizin, was im 20. Jahrhundert erneut mühsam erarbeitet wurde?
… dass Hildegard von Bingen die theologische Stellung der Frau aufwertete und die Minderwertigkeit gegenüber dem Mann in Frage stellte?
 
Neugierig geworden? – Lesen Sie die Biographie einer außergewöhnlichen Frau:
Hildegard von Bingen wird 1098 in Bermersheim (Rheinhessen) geboren. Sie ist das zehnte Kind der Edelfreien Hildebert und Mechthild von Bermersheim. Schon bei ihrer Geburt hatten die Eltern für sie das Klosterleben vorgesehen.
Hildegard hat bereits als kleines Kind verschiedene Visionen und sieht immer wieder ein besonderes Licht. Im Jahr 1106 wird sie im Alter von 8 Jahren einer Benediktinerklause auf dem Disibodenberg übergeben. Die Klause steht unter der Leitung der Jutta von Spanheim, die hier eine Klosterschule für adelige Mädchen errichtet hatte. Hier wird Hildegard in den Tugenden der Demut und des Gehorsams erzogen und erhält Unterricht in Latein, Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Gesang. Von nun an bestimmt die strenge benediktinische Regel ihr Leben. Um 1113 legt sie die Ordensgelübde ab und wird Benediktinernonne. Als Jutta von Spanheim 1136 stirbt, fällt die Wahl für die neue Vorsteherin auf Hildegard.
Im Jahr 1141 hat Hildegard eine besondere Vision. Sie erhält den göttlichen Befehl, alles niederzuschreiben, was sie in ihren Visionen sieht und erfährt. Mit Hilfe ihres Beichtvaters Volmar und der Nonne Richardis verfasst sie innerhalb von 5 Jahren das Werk „Scivias“.
Mittlerweile hatten viele Kirchenvertreter Kenntnis von ihren Visionen erhalten und zollten ihnen große Anerkennung. Auf der Synode in Trier im Jahr 1147 bestätigt Papst Eugen III die Richtigkeit ihrer Visionen und erlaubt ihr ausdrücklich, weiter an ihrem Werk zu arbeiten und es zu verkünden. Sie ist damit die erste Frau, die die päpstliche Erlaubnis erhält zu schreiben und dieses auch dem Volk mitzuteilen.
Hildegard war nun sehr berühmt und ihr Kloster erfreute sich eines großen Zulaufs. Sie entschließt sich zu einer Klosterneugründung auf dem Rupertsberg bei Bingen. Dort baut sie ein für damalige Zeiten hochmodernes Kloster, das ihre neue Wirkungsstätte wird. Es gelingt ihr, dieses Kloster unter den Schutz von Kaiser Friedrich Barbarossa zu stellen. Sie führt einen europaweiten Schriftwechsel mit höchsten Würdenträgern und genießt als Beraterin hohes Ansehen. Sie setzt sich vehement für die Beseitigung von Ungerechtigkeiten und Missständen ein. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und äußert sich häufig kritisch zum aktuellen Zeitgeschehen.
Während ihrer Zeit auf dem Rupertsberg schreibt Hildegard auch umfangreiches Wissen in zwei ihrer wesentlichen Werke nieder: - Causae et curae (Die Ursachen der Krankheiten und ihre Heilung) - Physica (Naturlehre).
Trotz großer körperlicher Leiden und häufiger Krankheit unternimmt Hildegard zwischen 1160 und 1170 vier große Predigtreisen. Außerdem errichtet sie 1165 ein weiteres Kloster auf der anderen Rheinseite, um noch mehr Frauen – diesmal auch nichtadelige – aufnehmen zu können.
Kurz vor ihrem Tod gerät Hildegard in einen schweren Konflikt mit der Kirche. Sie lässt einen Edelmann auf dem Klosterfriedhof begraben, der kurz vor seinem Tod die Beichte über ein schweres Verbrechen abgelegt hatte. Das Domkapitel in Mainz verlangte, dass der Leichnam wieder ausgegraben werden müsse, da der Mann wegen seines Verbrechens exkommuniziert worden war und deshalb nicht auf einem kirchlichen Friedhof begraben sein dürfe. Bei Nichtbeachtung drohe dem Kloster das Interdikt, was bedeutete, dass alle Klostermitglieder ebenfalls exkommuniziert würden. Hildegard widersetzt sich. Eine weitere Vision unterstützt ihre Haltung: Danach hatte der Mann durch seine Beichte, in der er seine Sünden bereute, die Absolution erhalten und war eines christlichen Todes gestorben. Es beginnt ein langer, zunächst aussichtsloser Prozess. Schließlich wird das Interdikt aufgehoben, und der Leichnam des Mannes kann auf dem Rupertsberg bleiben.
Wenige Wochen später stirbt Hildegard im Alter von 81 Jahren in dem von ihr gegründeten Kloster Rupertsberg.
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